Erfahrungsbericht...

 

Powerkurs

 

"Getreu dem Motto "Besser spät als nie", möchte ich hier meine Erfahrungen als Kite-Schülerin der Surffarm mit allen potenziellen Interessenten teilen.

Mein Partner und ich sind von Mitte September 2014 bis Anfang Oktober im Dänemark-Urlaub gewesen. Mein Freund kitet bereits seit einer kleinen Ewigkeit, ich hatte immer wieder Ausreden, warum es jetzt gerade ganz schlecht ist, es mal auszuprobieren. Wie einige sicherlich nachvollziehen können, hatten wir auch ein wenig Sorge, dass wir uns gegenseitig an die Gurgel springen, wenn er mir Unterricht gibt.

Als er an einem unserer ersten Tage im Urlaub kiten war, lernte er Ben am Spot kennen. Als sich herausstellte, dass dieser mit seiner Freundin eine Kite-Schule leitet, dachte mein Freund, dass es nach 5 Jahren nun wirklich mal Zeit wäre, mich aufs Brett zu bekommen.

Ich war etwas überrumpelt, hatte aber den längst gekauften Neoprenanzug und die Schuhe schon einmal mit und wollte es wirklich mal ausprobieren, irgendwie. So wurde Ben am gleichen Nachmittag noch angerufen und wir haben den 7-Stunden Intensivkurs Power gebucht.

Ben hätte ein paar Tage später noch einen Platz in einer Gruppe freigehabt, entschied sich aber dazu (so wie ich es verstanden habe, mitunter auch weil für den nächsten Tag gutes "Anfänger-Wetter" angesagt war) mir gleich am nächsten Tag den Kurs anzubieten. So kam ich einfach so, völlig unerwartet in den Genuss von Einzelunterricht.

Am nächsten Tag ging es dann auch gleich mit einer etwa einstündigen Theorie Einführung los. Gut dabei fand ich, das Ben nicht einfach nur langweilig referiert hat, sondern ein gutes Gefühl dafür hatte, wann er bei mir nochmal nachhaken muss und wann ich etwas begriffen habe. Die Stunde war wirklich nicht zu viel (weder unterfordert noch überfordert mit der Informationsflut gewesen), alles wurde gut und anschaulich erklärt (Sicherheit, Windfenster, Kiteauf/abbau...).

Danach ging es auch schon ab aufs Wasser. Herrlicher Tag! Sonnenschein, wenig Wind. Der Spot war wirklich toll, nicht zu überlaufen zu der Jahreszeit, überall etwa hüfthohes Wasser. Es hat mir Sicherheit gegeben überall gut stehen zu können. Die anderen Kiter waren alle sehr rücksichtsvoll.

Aber: Oha, was habe ich die Kraft, die Power, die in so einem Drachen steckt doch unterschätzt. Ich hatte anfangs große Probleme einen festen Stand im Wasser zu finden und bin immer wieder weggerutscht. Nachdem Ben mich allerdings mit Kite in der Luft hat immer wieder rückwärts laufen lassen im Wasser, festigte sich der Stand und ich fühlte mich sicherer.

Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre ich trotzdem (spätestens) nach etwa einer Stunde auf dem Wasser wieder gegangen. Spaß hat mir das Ganze am Anfang nicht gemacht. Ben hat es allerdings geschafft, mir immer wieder geduldig Mut zu machen. 
Die Kite-Übungen klappten nämlich an sich ganz gut. Wir haben Kite-Kontrolle geübt. Ich musste immer wieder den Kite mit beiden Händen, später mit jeweils einer Hand auf die verschiedenen Bereiche des Windfensters lenken, dann mal auf verschiedenen Uhrzeiten halten und auch immer mal wieder aufs Wasser legen und wieder hochholen. Danach haben wir Bodydrags geübt. Zuletzt haben wir noch ein paarmal das Starten ohne Bord trainiert. 

Manche Leute sind sicherlich ganz scharf darauf schnell zu starten, ich hatte sehr oft im Hinterkopf (und fürchte ich habe es auch das ein oder andere Mal laut ausgesprochen  ) "Oh man, wie soll ich denn jemals auf ´nem Brett stehen, das mach ich nicht, will ich nicht, habe ich Angst vor". Der Respekt vor dem Kite war einfach immens und ich extrem angespannt. Ben hat mich immer wieder beruhigt, mir gut zugeredet, mir Sicherheit gegeben. Auch hat er zwischendurch den Kite übernommen und ich konnte einen Moment durchatmen. Nachdem ich dann ein paarmal (ohne Brett) ein wenig durch die Luft geflogen bin, immer mal wieder an der Bar schön stramm gezogen habe, anstatt locker zu lassen und so das ein oder andere Mal ordentlich ins Wasser geplatscht bin, habe auch ich endlich begriffen, das mir gerade eigentlich gar nicht viel passieren kann - außer, dass ich eben im Wasser lande. Es hat angefangen Laune zu machen!

Nach insgesamt etwa drei Stunden auf dem Wasser war meine Konzentration allerdings einfach weg. Ben hat mir die Wahl gelassen, ob wir den Kurs an einem Tag durchziehen wollen, oder an einem anderen weitermachen. Ich entschied mich dazu, den zweiten Teil aufzuschieben. 

Wie das Schicksal so wollte, konnten wir gleich am nächsten Vormittag weitermachen. Auf dem Wasser habe ich die Übungen vom Vortag wiederholt und irgendwann ging es dann ans Starten üben. Das klappte mal etwas besser, mal etwas schlechter. 

Lustigerweise erinnere ich mich noch sehr gut an den Moment als ich das erste Mal auf dem Brett tatsächlich stand. Ich schaute nämlich aufs Brett nach unten, war völlig perplex als ich realisiert habe, dass ich gerade tatsächlich auf dem Wasser fahre und bin dann auch schon just in dem Moment des Realisierens "fliegen" gegangen und ins Wasser geplumpst. So ging es einige Male. Letztlich schätzte Ben bei meinem besten Versuch, dass ich etwa 15 Meter gefahren bin. Leider bin ich, obwohl alles gut aussah, wohl dann in einer kleinen Panik-Attacke einfach vom Bord gesprungen.. .
Nach drei Stunden auf dem Wasser war der Kurs beendet, ich fix und fertig, aber sehr glücklich. Denn wie gesagt, am Vortag hatte ich noch stark daran gezweifelt, dass ich jemals auf ein Brett steige.

Toll fand ich, dass ich nach dem Kurs nicht da stand und dachte, "hm, alles schön und gut, aber wie mache ich jetzt weiter...". Nein, ich hatte wirklich das Gefühl, dass ich genau wusste, was ich jetzt alleine machen kann, bzw, wie es weitergehen muss, damit ich mich verbessere. 

Wobei es in meinem Fall auch kein "allein", sondern ein "mit dem Partner weiterüben" ist. Aber das ist eben noch so ein Punkt: Ich hatte das Gefühl, dass Ben den Kurs ein wenig darauf abgestimmt hatte, das ich eben einen Partner habe, mit dem ich weitermachen kann und der auch kitet. Bzw. allgemein auf mich als Person, ich hatte einfach nicht das Gefühl hier irgendwie nur eine Nummer zu sein, sondern fühlte mich mit meinen anfänglichen Ängsten und Sorgen einfach verstanden und perfekt aufgehoben. 

Ich habe mich wirklich zu jedem Zeitpunkt sicher gefühlt und hätte mir keinen besseren Kite-Lehrer wünschen können.

Ich wünsche Franka und Ben mit Ihrer Kite-Schule nur das Beste für 2015 und kann jedem, der mal reinschnuppern möchte die Kurse der Beiden ohne Wenn und Aber empfehlen!

Liebe Grüße,

Desi